23. Mai 2012, 11:40:13
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Autor Thema: Fernglas Basis - Kaufberatung für Neuling  (Gelesen 5800 mal)
Gast O.
Gast
« am: 12. Juli 2005, 12:42:00 »

Hallo!

Ich möchte mir ein Fernglas kaufen - leider hab ich keine Ahnung.
Ich hoffe hier auf fachkundige Leser, die sich netterweise die Mühe machen mir zu antworten.

Meine Ausgangslage / Anforderungen:

- ich bin kein Astronom, Ornithologe, Jäger, Militär, usw...
- ich möchte das Glas also eher im Freizeit-Bereich einsetzen
- ich habe dennoch einen gewissen Anspruch was Qualität (Verarbeitung, Belastbarkeit, usw) und Optik (Vergrösserung, Schärfe, usw) angeht
- ich bin KEIN Brillenträger (scheint wichtig zu sein?)
- mir wäre die Größe und das Gewicht besonders wichtig, damit ich das Teil möglichst "immer dabei haben" kann
- mir wäre natürlich auch der Preis wichtig (max. Euro 150,-)
- ich habe keine Ahnung, was Brennweite, Brennschärfe, Sichtfeldbrengzung, asphärisch, und ähnlich Fachbegriffe bedeuten...

Ich hab mir mal verschiedene Tests angesehen, meine Vorauswahl wäre:

- Olympus 8 x 21 RC I
- Minolta Sport Mini 10 x 25 WR
- Danubia Sky 8 x 21 SC
- Nikon Sport Star 3/ 8 x 25 DCF

Was ist von diesen Dingern im Allgemeinen zu halten?
Entsprechen sie meinen Vorstellungen einigermaßen?
Welches ist insgesamt für mich am empfehlenswertesten?

VIELEN, VIELEN DANK für alle Antworten, ich freue mich wirklich sehr darüber!

Grüße
O.
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Rainer Hey
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Beiträge: 4219



« Antworten #1 am: 12. Juli 2005, 13:24:52 »

Hallo O.

klicke mal oben den Link e-Learning an. Dort gibt es zwei Links, das Fernglas-ABC und Tipps für den Fernglaskauf.

Die genannten Gläser kenne ich nicht. Aus eigener Erfahrung weiß ich aber, daß es nicht einfach ist, für 150 Euro ein gutes Glas zu bekommen - es sein denn, man sieht sich auf dem Gebrauchtmarkt um. Als Nicht-Brillenträger hast Du es dabei relativ einfach.

Mit den kleinen Öffnungen (das ist die zweite Zahl, 21 mm bzw. 25 mm) sind Ferngläser aber nur tageslichttauglich.

In jedem Fall rate ich, das Fernglas dort zu kaufen, wo Du Dir eine Auswahl mit nach Hause nehmen kannst, um sie in Ruhe zu testen. Im Laden hat man nicht die Ruhe dazu. Achte darauf, daß sich die Bilder links und rechts genau überdecken, ohne das ein Auge "schielen" muß. Wenn Du ein Glas 15 Minuten ohne Anstrengung benutzen kannst, ist es  brauchbar :-)

Für ein Glas mit 10-facher Vergrößerung (Minolta) muß man übrigens schon eine sehr ruhige Hand haben oder das Glas irgendwo anlehnen/auflegen - insbesondere wenn das Glas sehr leicht ist.

Das Oly 8x21 scheint leider ein sehr kleines Sehfeld zu haben (108 m auf 1000m), siehe auch

http://www.olympus-europa.com/consumer/1943_8x21_RC_I_Specifications.htm

weniger als das Minolta mit 10-facher Vergrößerung, das 114 m bietet. Schon merkwürdig, aber sowas gibts.

Das Nikon-Glas hat mit 143 m das größte Sehfeld. Die Version III gibt es, wenn überhaupt, aber nur noch als Restposten. Aktuell ist die Version IV, die sogar spritzwassergeschützt ist.

http://www.europe-nikon.com/specifications.aspx?countryId=19&languageId=20&prodId=919&catId=162

Insofern würde ich von den technischen Daten zum Nikon-Glas raten. Aber wie gesagt, letztendlich zählt der persönliche Eindruck in der Praxis. Die Qualität (Kontrast, Bildschärfe, Präzision der Mechanik) kann man den Daten nicht entnehmen.

Gruß

Rainer
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Gast O.
Gast
« Antworten #2 am: 12. Juli 2005, 16:27:29 »

Hallo Rainer (und auch alle anderen Leser),

erstmal vielen Dank für Deine ausführliche Antwort. Ich hoffe, daß sich noch ein paar Leser Deinem Beispiel anschließen...

Die Tips zum Kauf eines Fernglases hab ich mir bereits durchgelesen, besonders "überzeugt" haben mich die Stellen:

"... Das Bild wird ab 10fach so sehr "verzittert", das auch bei bester Qualität des Fernglases Details nicht mehr klar erkannt werden können. In Verbindung mit sportlicher Betätigung wie Wandern, Bergsteigen oder Klettern wird der ungetrübte Fernglaseinsatz dann noch schwieriger. ..."

und

"... Es ist für viele Anwendungsgebiete besser wenigstens ein kleines Kompaktglas am Mann (...) zu haben als ein Fernglas mit starker Vergrößerung, hoher Dämmerungszahl und großem Sehfeld zuhause im Schrank. ..."

Daher meine Vorauswahl auf die 8x - 10x Vergrößerung.

Wäre also das Nikon für meine Zwecke (soweit man das aus der "Ferne" und nur anhand der technischen Daten beurteilen kann) geeignet?
Vielleicht hat dazu noch jemand eine andere Meinung?

Was müßte ich denn für ein "gutes" Glas ausgeben, wenn 150,- zu wenig sind? Vor allem konkrete Modelle wären hier für mich hilfreich.

Grüße
O.
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Rainer Hey
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« Antworten #3 am: 12. Juli 2005, 17:58:00 »

Zitat von: "Gast O."
Was müßte ich denn für ein "gutes" Glas ausgeben, wenn 150,- zu wenig sind? Vor allem konkrete Modelle wären hier für mich hilfreich.



Deine Vorauswahl stammt offensichtlich aus einem Test der Stiftung Warentest. Ich halte zwar nicht viel von dem Laden, aber die Rangliste zeigt zumindest in Bezug auf die Plätze 1 bis 5, daß sie nicht viel falsch gemacht haben können.

Nimm einfach ein Leica oder Zeiss. Es ist eine Anschaffung fürs Leben. Die Gläser sind ihr Geld Wert und Du hast lange Garantiezeiten. Zumindest Zeiss wird wohl die 10 Jahre überleben :-)

Zu Hause in Ruhe vergleichen würde ich trotzdem. Bei mir (Zeiss Victory 10x42) war es doch so, daß ich auch bei den Spitzengläsern leichte Unterschiede bemerkt habe, die aber mehr damit zu tun haben, daß jeder Mensch andere Augen hat und anders schaut. Und ja, es gibt auch heutzutage noch serviceorientierte Fachgeschäfte, bei denen man zwei oder drei Gläser zum Testen mit nach Hause bekommt. Dort habe ich dann auch gekauft.

Gruß

Rainer

P.S. wer tiefer in die geheimnisvolle Welt der Ferngläser eintauchen wil, kann in
http://forum.astronomie.de/phpapps/ubbthreads/postlist.php?Cat=&Board=Fernglaeser
stöbern. Viele Beiträge sind auch für Nicht-Astronomen interessant.
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Emskopp
Gast
« Antworten #4 am: 12. Juli 2005, 20:36:34 »

Also zunächst denke ich solltest du testen ob ein Glas mit 20 oder 30 mm möchtest. 30 mm Öffnung bieten eine gewisse Reserve und sind auch in der Dämmerung noch brauchbar. Sie müssen auch nicht teurer sein, wenn du keine Spitzenmarke (Leica, Zeiss, Swarovski) aus finanziellen Gründen möchtest. Hier gibt es auch sehr gute gebrauchte Amee-Gläser, die zwar meist  Einzelohkularverstellung haben, was aber wenn man sich daran gewöhnt hat auch Vorteile bietet. Hinter Hensold steht übrigens Zeiss.  
Gernerell würde ich dir eine 8-fache Vergrößerung empfehlen. Die 10-fachen zeigt dir nicht kaum mehr aber deine Handunruhe zeigt sich viel deutlicher, so daß du am Ende unter Umständen weniger erkennen kannst.
Natürlich bieten die Spitzenmarken in jeder Hinsicht Qualität. Und einmal Qualität ist sicher besser als zwei mal Schrott.

Ich will von meinen Erfahrungen Berichten.
Als Lehrling erstand ich stolz ein 8 x 56 der Firma Bob (damals so um die 100 DM). Von den Optischen Zahlen her optimal.
15 Jahre später kaufte ich mir ein Leica Trinovid 7 x 42. Es ist mechanisch schon eine ganz andere Klasse. da wackelt nichts, alles geht egal ob warm oder kalt geschmeidig, und verstellen tut sich auch nichts selbständig.
Optisch ist es um längen besser. Ich kann in der Dämmerung länger etwas erkennen, (trotz 14 mm weniger Objektivgröße). Das Bild ist viel klarer (nicht so nebelig, milchig). Randunschärfe ist auch kein Thema mehr.
Alles in allem, ich benutze es nur noch.
Günstig gute Qualität kannst du bei Minox finden.
Nikon hat viele verschieden Serien von billig bis top.
Eine gute Informationsquelle kann auch das Sonderheft "Observation" sein. Es werden viele Grundlagen und Hintergründe beschrieben, und es gibt etliche interesante Tests. Aber auch die Stiftung Warentest ist eine wichtige objektive Quelle.
Wie hier schon beschrieben solltest du selbst Vergleichen.
Das geht auch schon im Geschäft. Suche dir an eimem Objekt details, die du so gerade mit dem Testglas erkennen kannst. Dann nimm ein anderes und du wirst unterschiede Feststellen.
Viele größere Fotogeschäfte haben neben günstigen Angeboten auch eine Topmarke.
Jagdausstatter haben oft ein breiteres Sortiment im Angebot (eher die Großen allerdings).  
Foto Erhard hat ein Riesenangebot im Internet. Wahrscheinlich werden aber viele Modelle erst von den Fillialen bestellt werden müssen.  Hier habe ich auch gesehen das ein Top 8 x 20 (Zeiss oder Leica)  schon für unter 400 € zu haben ist.  
Ich hoffe ich habe dir geholfen.

MGH Emskopp
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Rainer Hey
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« Antworten #5 am: 12. Juli 2005, 21:04:35 »

Hallo Emskopp,

das sind viele gute Ratschläge. Zwei Punkte möchte ich allerdings kommentieren:

Die Einzelokularverstellung, wie sie auch bei vielen Steiner-Gläsern zu finden ist, taugt maximal, wenn man "tote" Objekte beobachtet. Spätetens, wenn Du ein Motiv bebachtest, dessen Entfernung sich ändert (Greifvögel im Flug z.B.) wirst Du die Einzelokularverstellung verfluchen. Zu Steiner noch eine Anmerkung: dort verkauft man dieses Feature werbewirksam als "Autofokus" (nur einmal einstellen, alles ab 40 m scharfsehen) und verschweigt dabei, daß man damit eigentlich die Akkomodationsfähigkeit des Auges meint. Entweder funktioniert diese (bei jungen Menschen) - dann aber nicht nur bei Steiner-Gläsern, oder sie funktioniert kaum noch (wie bei mir) - dann hat man mit Zitronen gehandelt. Mich wundert, daß die Mitbewerber Steiner noch nicht abgemahnt haben. Ein Experte aus einem anderen Forum (Astronomie-Forum ) hat in dieser Sache mit den Optik-Fachleuten von Steiner gesprochen, die sich auch gewundert haben, was die Werbefritzen so alles schreiben :-)

Ich kann nur sagen, daß nichts über einen griffigen und seidenweich drehenden Mitteltrieb geht.

Minox hat mich übrigens sehr enttäuscht. Ich hatte das 8,5x42 mit zu Hause. Ein Blick wie durch einen Tunnel und ein kleineres Sehfeld als das 10x42 von Zeiss. Das Glas ist die 600 Euro, die es kostet, nicht wert. Ich habe die Befürchtung, daß man, wie Rollei bei den Digitalkameras, irgendwo billig einkauft, um den guten Namen zu vermarkten.

Gruß

Rainer
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Gast O.
Gast
« Antworten #6 am: 12. Juli 2005, 22:25:11 »

Hallo nochmal,

ich sehe schon, Ihr könnt mir nicht helfen und damit habt Ihr mir sehr geholfen!

Wie bitte? Ja, genau!

Ich merke, daß die Sache tatsächlich sogar noch "komplizierter" ist als erwartet. D.h. ich muß wohl meine Erfahrungen erst mal selbst sammeln.

Ich werde es wie Emskopp halten und mich nach und nach an die Sache rantasten. Dazu werde ich mir erstmal ein günstiges Glas kaufen. Da ich noch realtiv jung (26) bin, hab ich noch genügend Zeit irgendwann später in ein "Erbstück" zu investieren - mich (als Laien) hat dann doch erstaunt, daß man Gläser für einige Tausend Euro kaufen kann...  :shock:

Nachdem Ihr beide meine Vorauswahl bzw. die Quelle (Stiftung Warentest) als durchaus passabel eingestuft habt, bleiben noch das Olympus und das Nikon im Rennen. Danubia ist wohl keine so große Marke? Das Minolta hat lt. Euren Aussagen die ungünstige Vergrößerung (10x, Handunruhe).

Nachdem beide Gläser nun gleich viel kosten, beide klein und leicht sind (auch zusammenklappbar) erfüllen sie meine "technischen" Ansprüche.

Und den Rest werde ich wie gesagt rausfinden!
Wenn ich dann feststellen sollte, daß ich mehr Sehfeld, Dämmerungstauglichkeit oder eine Brille brauche (weil ich zuviel vorm PC sitze  :roll: ) werd ich mir was "besseres" leisten!

In diesem Sinne,
vielen Dank nochmal,
O.
P.S. Rainer: der Titel "lebende Legende" ist übrigens sehr verdient! Großes Lob!
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Anonymous
Gast
« Antworten #7 am: 13. Juli 2005, 17:17:53 »

Schön das du dich meiner Meinung anschließt. Allerdings sollte es als abschreckendes Beispiel dienen, und dich ermutigen dich mit der Top-Klasse auseinanderzusetzen.
 Zum einen kommst du (so meine Erfahrung) mit einer Nummer kleineres Objektiv (30 statt 40, 40 statt 56 usw.) aus, und du brauchst nicht zweimal kaufen. Sollte die reifliche Überlegung sich nach 10 Jahren als nicht deinen Bedürfnissen entspechend erweisen, so wird es sicher kein Problem sein, es gebraucht zu verkaufen.  
Vieleicht bist du in eimen Geschäft so gut bekannt das man dir ein oder zwei zur Gläser zum Testen überlässt.  
Ach ja ich empfehle dir Fachgeschäfte, die sind eher günstiger als Kaufhäuser (Karstadt Mediamarkt etc.), und bieten viel bessere Beratung und Service und lassen schon mal mit sich handeln. Üblich sind 10 % unter UVP ( -> Internet) bzw. Katalogpreise von Kettner / Frankonia etc. Mehr kann schon mal sein, so scheint mir das die Händler z. Z. bei Leica und Zeiss größere Rabatte bekommen (ich interesiere mich für ein Spectiv, und habe da schon hier und da geschaut. So bietet Leica ein komplettes Manfrotto-Stativ und  Tasche im Bundel gratis dazu an, ein Zeiss Spectiv wurde mir nackt für 1100 € angeboten [Liste - 30 %!]) also schauen und Vergleichen, es lohnt sich.  
Viel erfolg.

Emskopp
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