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Rainer Hey
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« am: 31. August 2004, 22:50:38 » |
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Zwei Superzoom-Kameras mit Bildstabilisator: Erfahrungen mit Minolta Z3 und Panasonic FZ3
Michael Hager konnte in seiner Hildesheimer Filiale beide Neuheiten für ein paar Tage entbehren und mir für diesen Erfahrungsbericht zur Verfügung stellen – dafür nochmals vielen Dank. Da mir außer meinen Augen und meinem Monitor keinerlei optisches Meßgerät zur Verfügung steht, kann dieser Bericht den Anforderungen eines objektiven Test natürlich nicht entsprechen. Apropos Monitor: es ist ein Samsung SyncMaster 193T mit Auflösung 1280x1024. Die digitale Ansteuerung über die Grafikkarte von Matrox stellt sicher, daß evtl. festgestellte geometrische Verzeichnungen den Kameras und nicht dem Monitor anzulasten wären.
Minolta Z3
Die dritte Auflage des Superzoom-Raumschiffs (über das spacige Design läßt sich trefflich streiten) liegt gut in der Hand – Einhandbedienung ist kein Problem. Es wird mit 4 AA-Akkus bestückt; als Speichermedium werden SD-Karten verwendet, die ja inzwischen neben den CF-Karten zum Standard geworden sind. Aber Vorsicht: wer noch eine SD-Karte sein eigen nennt, die in einer anderen Kamera schon ihren Dienst tat, wird eine unangenehme Übberraschung erleben. Ich möchte es so formulieren: Minolta ist Vertreter der strengen römischen Lehre, daß vor der Ehe, na ja, ich will sagen kein Datenverkehr stattgefunden hat. Vorsorglich hatte ich aber schon eine fabrikneue SD-Karte mitgeordert und es konnte losgehen.
Vorab noch etwas zu den Einstellungen: ich verwende grundsätzlich die höchste Auflösung, die geringste Kompressionsrate und die niedrigste Empfindlichkeit, hier 50 ASA. Schärfe, Kontrast und andere Parameter verbleiben in der Neutralstellung.Den AF stelle ich auf Spot-AF, wenn die Kamera dies zuläßt, da die Automatikja nicht wissen kann, auf welchen Motivteil sie scharfstellen soll. Als Belichtungsprogramm nehme ich aus alter Gewohnheit A wie (Aperture)Blendenpriorität, auch Zeitautomatik genannt.
Das Display ist trotz der großen Fläche der Kamerarückseite nicht besonders groß (31x22 mm, entspricht 38 mm=1,5 Zoll Diagonale) – hier haben die Designer viel Platz verschenkt, der sich sinnvoll hätte nutzen lassen. Dafür hat der der EVF (elektronischer Sucher) ein angenehm großes Sichtfeld. Nicht mehr und nicht weniger – wegen der pixeligen Struktur will Spiegelreflex-feeling nicht aufkommen. Die Dioptrienverstellung erfordert jedoch das Geschick eines Uhrmachermeister. Das Rädchen ist sehr klein und die Rastung ist schwer zu überwinden.
Die ersten Trockenübungen mit dem Autofokus ergaben ein gemischtes Ergebnis.Bei Tageslicht ist der das schnellste, was mir bisher untergekommen ist (Vorsicht! Subjektiv!) und es gibt auch an der Präzision nichts zu meckern. Bei Zimmerlicht hat er seine Probleme im Telebereich. Manchmal irrt er umher, das andere Mal meldet er Vollzug – aber selbst auf dem Monitor sieht man, daß er sich verhauen hat. Man kann sich also auf das "Pling"im Lautsprecher und auf das entsprechende Symbol auf dem Monitor nicht verlassen.
Die Bedienung der Tasten und die Navigation im Menue ist im großen und Ganzen ok. Die Anleitung sollte aber nicht weit weg sein, zumindest nicht in den ersten Tagen, da einige Sonderfunktionen auf den Pfeiltasten liegen ohne daß diese mit einem Symbol gekennzeichnet sind.
Der Zeitungsseitentest ergab, daß sich die Z3 in die Riege der Kameras einreihen darf, die Probleme mit dem Weißabgleich bei Kunstlicht haben.Das gleiche könnte man sinngemäß zur Verzeichnung (tonnenförmig, wie üblich) sagen: klassengerecht deutlich sichtbar, ebenso Unschärfen in den Bildecken. Die Auflösung ist ok, die Telefonnummern der Kleinanzeigenseite sind in der Bildmitte so gerade eben zu erkennen, wenn man in der EBV die 50% bzw. 100%-Ansicht einstellt.
Freunde der Videoclips werden an der Z3 ihre helle Freude habe. Sämtliche Einschränkungen, die ich von anderen Kameras kenne, sind kein Thema mehr. Auflösung 640x480 in 30 Bildern/sec mit Ton, Dauer-Autofokus und voller Zoomfunktion und das alles so lange, bis der Speicher überläuft. Wer mehr will, soll sich gefälligst eine richtige Videokamera kaufen.
Die Auswertung der Bilder (im wesentlichen detailreiche Landschafts- bzw. Stadtaufnahmen) zeigten eigentlich nur eine Schwäche, mit der aber auch andere Superzoom-Kamera zu kämpfen haben. An Kontrastübergängen hell/dunkel sind violette Farbsäume zu erkennen. Sie fallen insbesondere bei sehr hellen Motiven vor dunklem Hintergrund auf (weiß verputzes Haus z.B.). Wie sich das auf Papierabzügen darstellt, kann ich nicht sagen.
Die Serienbildfunktion entlockt der Z3 etwa 2 Bilder/sec. Dieses "Dauerfeuer" hält aber bei bester Bildqualität nur 3 bis 4 Bilder an (in der Anleitung sind sogar nur 2 Bilder genannt), danach sinkt die Frequenz auf 1 Bild/sec. Wichtig ist, daß der AF nicht "statischer AF" steht. Im Modus "Verfolgungs-AF" schafft die Z3 nur 1 Bild/sec.
Ganz interessant ist auch die sogenannte Progressiv-Bildfolgefunktion. Damit kann man bei gedrücktem Auslöser ein Motiv "filmen". Nach dem Loslassen des Auslösers werden die letzten 5 Bilder gespeichert. Man bestimmt also nicht den Beginn, sondern das Ende einer Aktion. Man kann also stundenlang die Katze vor dem Mauseloch beobachten und hat trotz menschlich langsamer Reaktionszeit die richtige Bildsequenz im Kasten.
Die Z3 war in manchen Situationen etwas zickig. Bei maximaler Brennweite zeigte sie nach dem ersten Bild keine weitere Reaktion auf den Auslöser. Erst ein Zurückzoomen weckte die Elektronik wieder auf. Bei genauem Hinsehen stellte ich am zweiten Tag fest, daß der Autofokus leicht pumpt, was am ersten Tag nicht der Fall war. Fotografieren war dennoch möglich und auch die Bilder waren ok. Ich hatte den Antishake im Verdacht, aber das Pumpen blieb auch nach Abschalten des AS. Nach dem Einlegen von frischen Akkus war das Pumpen weg - offensichtlich funktioniert die Spannungsstabilisierung nicht ganz zufriedenstellend.
Panorama-Freaks werden begrößen, daß das Stativgewinde der Z3 exakt auf der optischen Achse des Objektivs liegt. Ob es auch genau in der Sensorebene liegt (was wünschenswert wäre, Stichwort Nodalpunkt) ließ sich leider nicht prüfen – zumindest nicht zerstörungsfrei :-)
Die Z3 hätte alle Chancen, neben meiner Olympus 8080 zur Zweitkamera zu werden, sobald die erwähnten Kinderkrankheiten der Elektronik aus der Welt sind. Eine Recherche in anderen Foren ergab nämlich, daß es sich wohl nicht um einen Einzelfall handelt. Die kurzen Produktzyklen erfordern ihren Tribut. Mit diesem Problem müssen aber auch die Käufer aller anderen Marken leben und es betrifft ja auch, wie man hört, auch Produkte mit 4 Rädern, die um Größenordnungen teurer sind als die Testkandidaten. Die Firmware trägt übrigens die Versionsnr. 1.01
Panasonic FZ3
Die FZ3 ist nach der FZ1, FZ2 und FZ10 die vierte Auflage des Superzoom-Kamera mit Bildstabilisator. Mit ihren 3 MP kann man sie wohl guten Gewissens als Nachfolger der FZ2 bezeichnen, während die FZ10 demnächst von der FZ20 abgelöst wird.
Die FZ3 wirkt deutlich zierlicher als die Z3, die durch das Design und die mehr als einen Zentimeter größere Höhe mehr Masse zeigt. Über das richtige Bedienkonzept kann man trefflich streiten. In Bezug auf die Pfeil- bzw. Vierwegetasten sind sich die Hersteller ziemlich einig. Welche Sonderfunktion durch einfachen Tastendruck und welche durch drehen des Programmwahlrades bzw. Abtauchen in die Menuestruktur aufrufbar wird, ist sicher z.T. Geschmackssache – man gewöhnt sich an alles. Problematisch wird es nur, wenn man, wie ich, im kurzen Wechsel zwei verschiedene Kameras bedienen muß.Die Lage des Riechorgans spielt dabei auch eine Rolle. So passierte es mir bei der Minolta laufend, daß ich bei der Benutzung des EVF mit der Nasenspitze die Minus-Belichtungskorrektor, die auf der linken Pfeiltaste liegt, betätigt habe :-)
Übrigens ein Wink des Himmels: bei beiden Kandidaten waren die ersten Bilder in der neutralen Position viel zu hell. Ich habe die Korrektur auf -0,7 gesetzt – dann war die Welt in Ordnung. Bei meiner guten "alten" Ricoh G3s ging es mir übrigens ähnlich.
Das Bild des EVF der FZ3 ist, wie schon angesprochen, kleiner als bei der Z3. Dafür ist die Dioptrienkorrektor möglich, ohne sich die Fingernägel abzubrechen. Ein Blitzschuh ist nicht vorhanden; man muß also mit dem internen ausklappbaren Miniblitz Vorlieb nehmen. Ebenso fehlt der FZ3 die Möglichkeit der manuellen Fokussierung. Dies ist allerdings nach meinen Erfahrungen kein großer Verlust, da 1. die Schärfe auf EVF und Display nicht wirklich kontrollierbar ist und 2. die Meter-Angaben nicht korrekt sind. Dafür gibt es die Möglichkeit, die Fokussierung weg vom Auslöseknopf auf eine separate Taste zu legen. Der Fokus wird für die folgende Aufnahme gespeichert und man kann in Ruhe und ohne Krampf im Auslösefinger den Bildausschnitt neu bestimmen.
Der Zeitungstest (Abfotografieren einer Doppelseite der Tageszeitung, Kamera auf Stativ, Abstand so, daß Zeitung bildfüllend ist) zeigte, daß das Auflösungsvermögen am oberen Ende der 3-MP liegt. Die Telefonnummern waren so gerade eben lesbar. Eine große Überraschung war für mich der Weißabgleich bei künstlicher Beleuchtung. Die FZ3 ist die erste mir bekannte Digitalkamera, die auch unter Glühlampenlicht einen sauberen Weißabgleich zaubert.
Der Vollmond brachte mich auf die Idee, die Spotmessung der FZ3 auszuprobieren. Der Autofokus spielte brav mit und die Bilder zeigten einen sauber belichteten Mond mit seinen Kratern und Meeren (Blende 2,8 bei 1/160 sec, 80 ASA). Bei der Messung muß der Mond natürlich genau in der Bildmitte positioniert sein. Die Minolta Z3 meisterte die Aufgabe übrigens nicht schlechter. Die Mondscheibe nimmt übrigens selbst bei maximaler Brennweite (Kleinbildäquivalent 420 mm) nur 1/7 der Bildhöhe ein. So kann sich jeder ausrechnen, welche Brennweite für den bildfüllenden Modus erforderlich ist.
Die Sichtung der Bilder zeigte, wie bereits angesprochen, deutlich sichtbare Farbsäume dort, wo starke Hell-Dunkel-Kontraste auftreten, wie z. B. Bei einem weiß verputzem Haus vor dunklem Hintergrund. Dies ist ein Tribut an den großen Zoombereich; andere Kameras dieser Kategerie haben mit gleichen Problemen zu kämpfen.
Der Serienmodus der FZ3 ist beeindruckend. Die Kamera schafft ca. 4 Bilder/sec – das ist die Liga, in der höherwertige Spiegelreflexkameras spielen. Allerdings ist nach 7 Bildern (höchste Bildqualität) der Spaß zu Ende – nach ca. 3 sec Speicherpause kann es weitergehen.
Wenn die FZ3 jetzt noch den genial schnellen AF der Z3 hätte, könnte man die Kamera jedem Hobby-Sportfotografen ans Herz legen. Da genau hapert es aber bei der FZ3. Sie ist nicht langsam, aber deutlich langsamer als die Z3.
Die FZ3 punktet dafür wieder, wenn die Lichtverhältnisse schlechter werden. Der AF ist sicherer und findet auch bei Motiven im Schatten einer 60-Watt-Funzel seinen Fokuspunkt. Bei Stromausfall tritt dann das AF-Hilfslicht in Aktion, dessen Reichweite aber naturgemäß begrenzt ist.
Zum Schluß noch einige Bemekungen zur Bildqualität.
Bei den Vergleichsaufnahmen habe ich mich im Wesentlichen auf die maximale Brennweite konzentriert. Um eventuelle Einflüsse des Bildstabilisators auszuschließen, habe ich für diese Aufnahmen ein Stativ verwendet. Zunächst schien es so, daß die Bilder der FZ3 im Vergleich mit der Z3 weniger detailreich sind. Damit hatte ich auch gerechnet, weil der FZ3 eine Million Pixel im Vergleich zur Z3 fehlen. Nun hatte ich Bilder mit Zeitautomatik gemacht und als Blende die größte Blende eingestellt. Während die Lichtstärke der FZ3 konstant 2,8 beträgt, reduziert sich die Anfangsblende der Z3 auf 4,5 in der maximalen Telestellung. Der Vollständigkeit halber habe ich die Aufnahmen mit der FZ3 und Blende 4,6 wiederholt.Selbst bei 100%-iger Bildgröße auf meinem 19-Zoll-TFT war jetzt kaum ein Unterschied auszumachen. Dabei fiel allerdings auf, daß die Bilder der Minolta Z3 ein etwas stärkeres Rauschen aufwiesen.
Da die Käufer beider Kameras in den seltensten Fällen ein Stativ mit sich führen werden, müßte man eigentlich noch Vergleichsreihen mit aktiviertem Bildstabilisator machen, um herauszufinden, wer das bessere System hat. Schließlich wird die Bildqualität nicht nur durch die Güte des Objektivs, sondern auch durch die Qualität der Bildstabilisatoren bestimmt. Das wäre doch mal eine nette Aufgabe für die Fotozeitschriften :-)
Mein subjektiver Eindruck ist, daß Aufnahmen ohne Stabilisator, bei denen man nach der reinen Lehre vorgeht (Kehrwertregel, Stativ) schärfer werden. Das kann natürlich auch an den spezifischen Parametern meines Tatterichs liegen :-)
Das lichtstarke Objektiv der FZ3 ist ziemlich anfällig gegen Streulicht. Deshalb sollte man die Streulichtblende, die serienmäßig mitgeliefert wird, möglichst immer benutzen.
Und jetzt noch die Zusammenfassung? Die wäre einfach, wenn es eine Kamera gäbe, die die positiven Eigenschaften vereinigt und die negativen vermeidet. Zurück auf dem Boden der Tatsachen bleibt mir nur die Empfehlung, genau zu überlegen, welche der aufgezeigten Eigenschaften besonders wichtig sind und danach zu entscheiden.
Rückfragen und eine rege Diskussion in diesem Thread sind ausdrücklich erwünscht.
Gruß
Rainer
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