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michael Hager
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« am: 12. August 2004, 10:14:31 » |
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Standard- gegen "Suppen"-Zoom
Es dürfte bekannt sein, dass ich kein Freund von sogenannten Superzooms (in Foren gemeinhin "Suppenzoom" genannt) von 28-200 (bzw. 300) bin. Trotzdem habe ich mir einmal das gerade erschienene Sigma 18-125 DC kommen lassen, um es mit dem Nikon 18-70, welches standardmässig mit der Nikon D70 ausgeliefert wird, zu vergleichen. Letzteres hat ja von der Zeitschrift Color Foto den Vermerk "für Digitalkameras nur bedingt geeignet" erhalten, und dies, obwohl es eine DX-Optik ist, also speziell für einen APS-C-großen CCD berechnet wurde. Bislang war ich mit den Ergebnissen des 18-70 auch vollauf zufrieden, selbst bei offener Blende - ob das darauf zurückzuführen ist, dass ich noch keine Vergleichsmöglichkeiten hatte, soll dieser Test ergründen. Rein von der Verarbeitung her macht das original Nikon zumindest einen etwas besseren Eindruck als das neue Sigma 18-125 DC. Das Sigma besitzt zwar auch ein Metallbajonett, aber es fasst sich nicht ganz so wertig an. Zudem sitzt, anders als beim letzten Mal, als ich die stabilisierten 80-400er aus dem Hause Nikon und Sigma testete, beim Sigma der Scharfeinstellring vorn an der Optik und der Zoomring weiter hinten in Richtung Kamera - beim Nikon ist dies andersherum und zumindest für mich vom Handling her besser. Nicht nur der hübsche goldene Schriftzug auf dem Nikon DX macht sich gut, auch die Entfernungsskala, die unter einem kleinen Fensterchen läuft - beim Sigma ist es eine simple Gravur vorn am Entfernungsring - läßt den Fotografen erkennen, dass er ein hochwertiges Produkt in den Händen hält. Der insgesamt sehr gute Eindruck, was die Verarbeitung des Nikon Objektives anbelangt, wird durch einen leicht klappernden 2. Tubus geschmältert, während das Sigma insgesamt irgendwie "billig" wirkt - nicht dass es klappert oder wackelt, man spürt jederzeit, dass es leider kein Objektiv der EX-Serie ist.
Stellt man beide Optiken nebeneinander, dann wundert man sich doch ein klein wenig, denn das Sigma ist trotz deutlich erweitertem Zoombereich sogar kleiner als das Nikon! Mit gerade mal 74,7mm ist es 8mm kürzer als das Nikon-Zoom, beide Werte ab Kamerabajonett und ohne Streulichtbende, die bei beiden Optiken zum Lieferumgang gehört, gemessen. "Länge über Puffer" ist bei beiden Objektiven knapp 82mm. Sigma scheint es mit seinen technischen Daten nicht so genau zu nehmen, denn als Länge wird dort 77,7mm angegeben, demnach fehlten meinem Testobjekt(iv) also 3mm. Auch was das Gewicht angeht, ging die Waage bei Sigma anscheinend etwas vor. Das 18-125 bringt fast exakt 375g (Angabe des Herstellers = 385g) auf meine Waage und ist damit 15g leichter als die Optik des Mitbewerbers. Beide Objektive besitzen 15 Linsen, wobei diese beim Sigma in 14 und beim Nikon in 13 Gruppen angeordnet sind. Beide Hersteller setzen spezielles hochbrechendes Glas mit geringer Dispersion zur Vermeinderung von Farbfehlern ein. Bei Sigma heißt dies SLD (special low dispersion), bei Nikon kennt man derartige Gläser unter der Bezeichnung ED (extra-low dispersion). Das Nikon DX besitzt insgesamt 3 Linsenelemente aus ED-Glas und eine asphärische Linse - Sigma hat seinem Zoom gleich 2 asphärische Linsen verpasst und schweigt sich über die Anzahl der SLD-Linsen aus. Wo wir gerade bei den technischen Daten sind: Das Sigma Zoom hat eine max. Blendenöffnung von 3,5 bei 18mm und 5,6 bei 125mm - da die Brennweite immer auf Kleinbild bezogen ist, müsste man sie bei einer D70 mit dem Faktor 1.5 multiplizieren und erhält somit ein Objektiv mit ca. 27-188mm - auf einer Sigma SD10 bekommt man dagegen ein 30-211mm, da der Foveon etwas kleiner ist als der CCD der D70. Die tatsächliche Lichtstärke des von mir getesteten Sigma lag übrigens bei 3,3 und damit geringfügig besser als von Sigma angegeben. Das Nikon DX 18-70 hat eine Blendenöffnung von 3,5 bei WW und 4,5 bei 70mm. Beide Objektive beitzen die Blende 22 als geringste Öffnung, was einer Öffnung von 29 bei Tele entspricht. Auch beim max. Abbildungsmaßstab, der direkt auf den vorderen Tubus in das 18-125 graviert wurde, nimmt es Sigma nicht so genau, was daran liegt, dass auch die Naheinstellgrenze unkorrekt angegeben wird. Sowohl auf der Optik als auch in der Anleitung werden 50cm als kürzeste Entfernung angegeben. Ich kam bei 18mm auf eine minimale Entfernung von 37,2cm und bei 125mm auf 42,9cm. Dies entspricht dann einem Abbildungsmaßstab (bei einem APS-C CCD, der ca. 16x24mm gross ist) von 1:4,3 und nicht 1:5,3 wie fälschlicherweise von Sigma angegeben. Nikon nimmt es da schon deutlich genauer, wobei Sigma sich ja regelmässig zu seinen Ungunsten verrechnet. Denn dort wird 38cm als Naheinstellgrenze angegeben und ich konnte bei allen Brennweiten auch nicht näher als 36,5cm ans Objekt rankommen. Dies entspricht demnach einem Abbildungsmassstab von 1:5,9 an einer Nikon D70. Freunde eines zirkularen Polfilters dürften sich beim Sigma am 62mm Filtergewinde erfreuen. Besitzer des Nikon Objektives müssen etwas tiefer für ihre Filter in die Tasche greifen, denn dort muss ein 67er Filter eingeschraubt werden. Dass man bei beiden Optiken nur Filter mit Slimline-Fassung nehmen sollte, versteht sich von selbst, da es sonst zu starken Vignettierungen kommen kann. Natürlich dreht sich die Frontlinse bei beiden Optiken beim Scharfeinstellen nicht mit - ein Feature, dass selbst in dieser Preisklasse mittlerweile Standard sein sollte. Ferner gehören beide zur Gattung der G-Objektive, was besagt, dass beide keinen Blendeneinstellring besitzen. Das Sigma besitzt dafür einen Zoom-Lock-Schalter, der ein Durchrutschen der Optik zur Telebrennweite beim Tragen oder in einer Tasche wirkungsvoll verhindert.
An der Bezeichnung AF-S erkennt der Nikon-Freak sofort, dass das Nikon-Objektiv mit einem Silent Wave AF-Motor ausgestattet ist und, da es keinerlei mechanische Kupplung am Bajonett gibt, der kamerainternen Motor nicht verwendet wird. Dies führt entgegen dem Sigma, welchem leider kein Sigma-eigener schnellerer und leiser HSM (HyperSonicMotor) spendiert wurde, dazu, dass das Scharfeinstellen beim Nikon nicht nur deutlich schneller, sondern vor allem nahezu lautlos vonstatten geht. Das Sigma geht beim Scharfeinstellen sehr lautstark und behäbig zur Sache. Sicher geht die Scharfeinstellung deutlich schneller als per Hand, aber das Nikon ist doch (geschätzt) doppelt so schnell wie das Sigma - allerdings reden wir hier von Sekundenbruchteilen.
Ok, nun geht es raus in die Hitze - auf zur Fotosession. Als erstes mal eine weiße Wand (im Schatten) fotografiert, um die Vignettierung festzustelllen. Beide Objektive haben bei 18mm einen leichten Lichtabfall zu den Ecken, der beim Sigma etwas ausgeprägter erscheint, sich aber insgesamt im Rahmen des Üblichen bewegt. Beim Wurzelwerk der frisch ausgegrabenen Zwiebeln und der Blüte einer Goldkugel ist bei 200%iger Vergrößerung des RAW-Files tatsächlich ein Unterschied in der Schärfe zu sehen. "Aha", dachte ich so bei mir, "typisch Suppenzoom - das Nikon ist also tatsächlich schärfer" - bis ich dann bemerkte, dass ich beim Ranzoomen im Nikon Capture die beiden Aufnahmen vertauscht hatte! Überrascht muss ich eingestehen, dass das Sigma 6,9fach Zoom bei einer 20fachen Vergrößerung bei einigen Aufnahmen tatsächlich sichtbar schärfer als das Nikon ist! Zudem sind die Farben des Sigma, egal ob bei Gegenlicht oder mit der Sonne im Rücken, etwas knackiger als bei der dezenten Nikon-Optik - was meinem Farbgeschmack entgegen kommt. Natürlich kann man dank Nikon Capture das RAW letztendlich seinem Farbgeschmack angleichen, aber ab und an fehlt es an Zeit, und es soll auch D70-Fotografen geben, die jpeg aufnehmen. Bei Gegenlicht bzw. Aufnahmen mit der Sonne im Bild zeichnet sich wiederum das Sigma durch geringere Bildfehler und einen schöneren Sonnenstern aus (beide Aufnahmen wurden mit Blende 22 bei 18mm Brennweite gemacht. Bei der Telebrennweite neigt das Nikon ein klein wenig zu Farbsäumen bei Motiven mit hohem Kontrast, wohingegen das Sigma bei 18mm Brennweite bei 200% Vergößerung einen kaum wahrnehmbaren Farbsaum aufweist, der beim Nikon nicht zu erkennen ist. Bei 100% Bildgröße ist bei beiden Optiken keinerlei erkennbarer Farbsaum auszumachen!
Das Fazit Nachdem ich den halben Vormittag mit den beiden Kontrahenten durch den Garten getobt, bin stand das Ergebnis des Praxisteils fest: das Sigma liegt, was die Bildschärfe angeht, nach Punkten knapp vor dem Nikon. Beide Objektive sind (zumindest an der D70) uneingeschränkt zu empfehlen. Ideal wäre ein Sigma mit einer etwas liebevolleren Verarbeitung und dem Sigma HyperSonicMotor (HSM), denn das Scharfeinstellgeräusch geht einem doch tierisch auf den Zeiger, wenn man bisher mit einem Objektiv gearbeitet hat, das kaum hörbar und nebenbei noch spürbar schneller seine Arbeit verrichtet. Ist somit aus dem Saulus ein Paulus geworden - werde ich nun das Wort "Suppenzoom" nicht mehr in den Mund nehmen? Nein, denn ich weiß ja, dass die Superzooms, die für die KB-Kameras momentan am Markt sind, einem vernünftig korrigiertem Standardzoom nicht das Wasser reichen können. Das Sigma 18-125 DG ist "nur" die Ausnahme, die die Regel bestätigt - was auch daran liegt, dass es ja für den im Verhältnis zum KB-Film deutlich kleineren CCD optimiert wurde und somit hauptsächlich das Sahnestück (die Mitte) der Optik bei der Aufnahme verwendet wird. Es schlägt sich mehr als achtbar, und wäre da nicht die recht behäbige Fokussiergeschwindigkeit mit nerviger Geräuschkulisse, könnte ich es uneingeschränkt empfehlen - rein optisch hat es mich allerdings positiv überrascht!
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