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Anonymous
Gast
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« Antworten #2 am: 31. März 2004, 18:50:39 » |
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Für Schadenersatz muß erst einmal ein Schaden entstehen/nachvollziehbar dargelegt werden. Ich habe vor ca. 2 Jahren im Internet über einen Fall gelesen, bei dem ein Urlauber von einem Fernsehteam ganz bewußt in eine peinliche Situation gebracht wurde - und die Aufnahmen wurden dann gesendet: Da wurde Schadenersatz zugesprochen.
Eine andere Situation: eine Frau ging mit ihrem - verheirateten - Freund über eine Messe, ein Zeitungs-Fotograf fotografierte die beiden an einem Stand, fragte die Frau um Druckerlaubnis und nach dem Namen - und am gedruckten Foto in der Lokalzeitung stand dann Frau und Herr XYZ: Das gab natürlich Ärger (wenn auch keinen Schadenersatz-Prozess...)! Bei Paaren, die man nicht kennt, sollte man sich besser zurückhalten.
Ich selber wage es, ausgesucht schöne Bilder von mir unbekannten Menschen ins Internet zu stellen. Irgendwo steht auch, daß die Abgebildeten selbstverständlich das Entfernen eines Bildes verlangen können: Bisher ist über Jahre noch keine solche Aufforderung gekommen (obwohl es sich um eine Seite mit Bildern aus einer eher kleinen Universtitätsstadt handelt, wo "jeder jeden kennt", also vermutlich Abgebildete auch von Dritten auf Bilder von ihnen aufmerksam gemacht werden). Wenn man etwas hört, dann sind die Abgebildeten eher stolz, ein schönes Bild von sich im Internet zu finden.
Eine Töpferin/"Künstlerin" auf einem Handwerkermarkt wurde schon beim Fotografieren sauer: nicht etwa wegen ihrer Person, sondern weil sie fürchtete, daß Bilder, auf denen ihre Werke einigermaßen gut zu erkennen sind, die "Konkurrenz" - im schlimmsten Fall Massenproduzenten etwa ich China - zur Nachahmung anregen könnten. Vermutlich gibt es entsprechende Beispiele, so daß diese Befürchtung leicht nachvollziehbar ist. Zwar gibt es beim Fotografieren im Freien öffentlich ausgestellter Waren/Kunstwerke meines Wissens kein Abbildungsverbot, aber als Menschenfreund wird man selbstverständlich solche Befürchtungen respektieren. Ein Münzschneider - ein sehr seltener Beruf - wollte deshalb nicht abgebildet werden, weil er fürchtet, daß der frühere Freund seiner Frau ihn über Bilder im Internet finden könnte (etwa über Google-(Bilder-)Suche zum Stichwort Münzschneider...) und dann evtl. den Familienfrieden stören: Dies als Beispiel, wie in besonderen Fällen ein Schaden zustandekommen könnte, potentiell sogar mit sehr schlimmen Folgen...
Irgendwo im Internet gab es einen Aufsatz, daß bestimmte Länder wie Deutschland zunehmend als "menschenfrei" erscheinen könnten, weil sich niemand mehr traut, Bilder, auf denen Menschen gut zu erkennen sind, ins Internet zu stellen. Ich sehe das auch unter diesem Aspekt: wir sollten nicht gar zu ängstlich sein, weil viele Bilder "ohne Menschen" langweilig wirken. Beispiel Märkte, Feste, Straßencafès...: Da geht es um Menschen, um Anbieter, Kunden, Gäste usw. - ein "Fotografierverbot" würde bedeuten, daß solche Themen parktisch ausgeschlossen wären, sofern man nicht einige "Statisten" selber mitbringt - oder aber "auf Verdacht" viele (Dutzende, gar hunderte?) Menschen anspricht und um Zustimmung bittet, gar schriftlich, was mir a) kaum machbar erscheint, und b) sicherlich häufig zu Ablehnung führen würde, da die Menschen nicht sicher sein könnten, ob sie nicht "unvorteilhaft" abgebildet sind.
Bei der Auswahl schöner Bilder fällt mir auf, wie sorgfältig sich nicht wenige Menschen "herausputzen" und sich dann gewissermaßen öffentlich als Kunstwerke "zur Schau stellen" (ich übertreibe etwas...): Doch wohl, um gesehen, gar bewundert zu werden, oder?
Was mir nicht ganz klar ist: Gibt es neben der Schaden(!)ersatzforderung auch noch irgendwelche "Offizialdelikte", die unabhängig von einem Schaden vom Staatsanwalt verfolgt werden müssen, sobald sie angezeigt werden? Bekannt ist mir nichts dergleichen, aber ganz sicher bin ich mir nicht angesichts der ungeheueren Gesetzesflut hierzulande. (Strafvorschriften gibt es ja keineswegs nur im Strafgesetzbuch, sondern in unzähligen weiteren Gesetzen.) -- Und noch etwas: In den USA gibt es 'zig Millionen, die mit Nachdruck ihr aus "Wildwest-Zeiten" stammendes Recht zum Führen aller Arten von Waffen verteidigen - mit der Folge, daß Gewaltverbrechen in USA ungleich häufiger sind als in Europa. Wieviel menschenfreundlicher ist da das "Schießen" mit einer Kamera... Jochen
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